Werkgruppe

Uzaktan Mektuplar – Letters from Abroad

Installation, Video, Papierarbeit

2014 – 2015
Uzaktan Mektuplar – Letters from Abroad
DEPO, Istanbul, 2015, Ausstellungsansicht

Text: Pressemitteilung zur Ausstellung im DEPO Istanbul, 2015

Die Videoinstallation der Berliner Künstlerin Maja Weyermann bezieht sich auf die Rolle der Armenier in der Teppichproduktion und im Teppichhandel in der Türkei vor 1915 und verknüpft dieses Thema mit der Enteignung armenischer Stiftungen hinsichtlich ihres Grundbesitzes in Istanbul.
Die Künstlerin stellt die Enteignung des materiellen Erbes – die beschlagnahmten Grundstücke – und die Auslöschung des kulturellen Erbes – die unterlassene/vergessene Schlüsselrolle der armenischen Handwerker und Teppichhändler – gegenüber. Damit werden zwei Aspekte des armenischen Völkermordes auf sehr persönliche Weise beleuchtet.
Die Künstlerin plante während ihres Aufenthalts in Istanbul, der von der Berliner Senatskanzlei – Abteilung Kulturelle Angelegenheiten gefördert und von Diyalog Derneği begleitet wurde, einen Film über anatolische Teppiche zu machen, der sich auf deren Bedeutung als Teil des kulturellen Gedächtnisses bezieht. Schon bald nach Beginn ihrer Recherchen tauchten viele Widersprüche und widersprüchliche Informationen auf, die sie nicht einordnen konnte, bis ihr klar wurde, welche Schlüsselrolle armenische Handwerker und Teppichhändler in der Türkei vor 1915 spielten. Auf diese Tatsache fokussierte Weyermann ihre Recherchen und gründete ihre Arbeit auf Interviews mit Teppichexperten, Händlern, Restauratoren und auf Fachliteratur.
Eine weitere Beobachtung, die Weyermann während ihres Aufenthaltes 2014 machte, war die Verbindung zwischen leer stehenden Immobilien und Restitutionsverfahren in Istanbul. Dabei stieß sie auf die Deklaration der Hrant-Dink-Stiftung von 2012. Die Deklaration dokumentiert die Beschlagnahmung von Immobilien armenischer Stiftungen durch den türkischen Staat. Weyermann besuchte mehrere betroffene Objekte und filmte sie.
In ihrer Arbeit kombiniert Weyermann reales HD-Videomaterial mit 3-D-Animationen. Letztere werden genutzt, um ein mit einer Videoaufnahme unmöglich herstellbares Raumerleben zu ermöglichen, wie etwa Erinnerungen und Vorstellungen. Zugleich können die Videoaufnahmen als Bilder „des Realen“ dienen. Die Audiospur umfasst Erzählungen, Geräusche und Musik, was zur Entstehung einer eigenständigen Klangwelt führt. Zusätzlich enthält die Installation ein Interview mit dem Armenier Halı Ustası, geboren 1936.
Die Videoinstallation, die exklusiv für die Ausstellung im DEPO Istanbul produziert wurde, verwebt sowohl Beobachtungen als auch Recherchen der Künstlerin. Sie funktioniert als experimenteller Dokumentarfilm, der mit künstlerischen Mitteln zur Diskussion über den Umgang mit der Vergangenheit beiträgt.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Senatskanzlei Berlin – Abteilung Kulturelle Angelegenheiten.
Das Ausstellungsprogramm vom DEPO wurde 2015 in Kooperation mit der Calouste Gulbenkian Foundation realisiert.

Kunstwerke (9) der Werkgruppe

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